Nach dem Tod der beiden Flachlandgorillas Kio und Kibara im Zoo Leipzig hat gemeinsam mit externen Fachleuten eine intensive Ursachenforschung stattgefunden. Der abschließende pathologische Befund zeigte bei beiden Gorillas massive Darmschäden, die durch hochpathogene E.coli-Bakterien mit Toxinbildung verursacht wurden und eine Sepsis zur Folge hatten.
Während die beiden jüngeren Weibchen der Gruppe offensichtlich keine Beeinträchtigungen zeigten, war Kumili zeitweise auch mit einer eingeschränkten Nahrungsaufnahme auffällig. Inwieweit hier ebenfalls eine Infektion vorlag, kann abschließend nicht genau gesagt werden. Es ist aber festzustellen, dass die psychische Belastung durch die Behandlung der beiden anderen Tiere und das veränderte Verhalten von Silberrückenmann Abeeku ebenfalls Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden hatte.
„Schließlich waren die umgehend ergriffenen Maßnahmen, wie die Bereitstellung von unterschiedlichen Tränken mit Substitutionen, das Verfüttern von Zusätzen zur Stabilisierung der Darmflora und vor allem der Einsatz der Pfleger, die der Gruppe immer wieder kleinere Futtermengen verteilt über den Tag anboten, erfolgreich. Wir sind froh, dass inzwischen wieder Ruhe in die vierköpfige Gruppe eingekehrt ist und wir zur normalen Fütterungsroutine zurückkehren konnten“, erklärt Zootierarzt Dr. Bernhard.
Großer Verlust in Pongoland - Gorillaweibchen gestorben
Im Zoo Leipzig herrscht tiefe Bestürzung. Binnen einer Woche ist heute mit der 21-jährigen Kibara der zweite schwer erkrankte Gorilla gestorben. Nach dem Tod von Kio in der vergangenen Woche hatte auch Kibara begonnen, Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit und Inappetenz zu zeigen und war sofort in tiermedizinische Behandlung genommen worden. Doch wie bereits bei Kio hat die Therapie nicht angeschlagen und aus der heutigen Vollnarkose zur intensiven medizinischen Behandlung ist sie nicht mehr aufgewacht.
„Wir sind bestürzt und sehr traurig über den doppelten Verlust in der Gorillagruppe. Mit solch einem Geschehen sind wir in den letzten 25 Jahren seit dem Bestehen von Pongoland noch nicht konfrontiert worden. Wir tun alles, um die medizinischen Ursachen der Todesfälle zu klären und die übrige Gruppe zu schützen“, sagt Zoodirektor Prof. Jörg Junhold. Die pathologischen Untersuchungen von Kio sind noch nicht abgeschlossen, so dass noch keine konkreten Ergebnisse vorliegen und Kibara nur auf eine Entzündung im Darmbereich hin therapiert werden konnte.
„Wir sind mit den veterinärmedizinischen Spezialisten des Europäischen Zooverbandes EAZA in Kontakt ebenso wie mit Experten aus anderen Zoos mit großer Erfahrung in der Gorillahaltung“, sagt Zootierarzt Dr. Andreas Bernhard und ergänzt: „Die Gruppe ist aufgrund der Verluste niedergeschlagen und wirkt angespannt. Ob zudem auch medizinische Ursachen vorliegen, können wir noch nicht abschätzen.“
Die Gorillagruppe in Pongoland steht unter strenger medizinischer und tierpflegerischer Kontrolle und Versorgung, so dass die Entwicklung genau beobachtet wird. Unter Zuhilfenahme von externen Fachleuten liegt die volle Konzentration darauf, die Ursachen zu finden und die verbliebenen Tiere zu schützen. „Alle beteiligten Menschen wie auch Tiere müssen die Verluste verarbeiten und benötigen Zeit, so dass die vier Gorillas je nach Situation in den kommenden Tagen auch nicht zu sehen sein können und auch unsere Mitarbeitenden bei Bedarf Unterstützung bekommen“, sagt Prof. Junhold.
