Viele Schritte sind auf dem Weg zur neuen Tropenhalle notwendig
Bis Ende 2010 wird die Riesentropenhalle „Gondwanaland“ auf einer neuerworbenen Grundfläche des Zoos entstehen, 2011 wird sie eröffnet: ein entscheidender weiterer Schritt in der Umgestaltung zum „Zoo der Zukunft“. Wie geht es dabei bislang voran?
Abbrucharbeiten
Auf dem Gelände der ORSTA-Hydraulik sind die Abbrucharbeiten der alten Industriegebäude komplett beendet. Von Dezember 2006 bis Mitte 2007 wurden hier viele Tonnen Beton, Steine und Bauschutt erst sortiert und dann abgefahren. Die meisten dieser Bauabfälle wurden dem Recycling zugeführt und wiederverwendet, grade diese Sortierung hat einen großen zeitlichen Aufwand verursacht. Das ehemalige Bürogebäude an der Ecke zum Kickerlingsberg mußte für Monate eingerüstet und mit Folien verhüllt werden, um die astbesthaltigen Dämmstoffe auszubauen, bevor der Abriss erfolgen konnte. Während der Abbrucharbeiten wurden nur geringe Altlasten, sprich Bodenverunreinigungen entdeckt und entsprechend fachgerecht entsorgt. In Parthenähe wurden zudem einige unbekannte Unterkellerungen ausgegraben und ebenfalls abgebrochen und entsorgt. Der nächste Schritt war, die Baugrube bis auf die geplante Gründungstiefe auszuheben und zu sichern.
Planungsrunden
Hinter den Kulissen, aber stets mit Blick auf die Baustelle, trifft sich wöchentlich die Planerrunde. Die Obermayer Albis Bauplan GmbH in Arbeitsgemeinschaft mit den andern Fachbüros Henchion Reuter Architekten, Eisenloffel.Sattler+Partner und dem Brandschutzbüro Hahn GmbH sowie den Fachleuten des Zoos arbeitet intensiv an den Planentwürfen. Dabei wird nicht nur auf das geschaut, was der Besucher später erleben wird, sondern vor allem auf alle dahinter und darunter liegenden technischen und tiergärtnerischen Konstruktionen.
Das Gondwanaland wird von seiner Ausdehnung her, die ca. 2,7 ha umfasst und den Baukosten, die 60 Mio. Euro betragen werden, das größte Projekt sein, das der Zoo je in Angriff genommen hat. Die Anforderungen an alle technischen Gewerke und deren Vernetzung zu einem sinnvollen Ganzen sind extrem vielschichtig und aufwendig. Daher wird noch manche Runde gedreht werden müssen, bis ausführungsreife Baupläne vorliegen können. Was genau sind die Anforderungen, die von den Planern zu beachten sind?

Einbindung der Halle in den Zoo
(Plan: Henchion-Reuter Architekten)

Modell der Halle aus dem Architekten-Wettbewerb
(Modell: Henchion-Reuter Architekten)
„Umwerfendes“ Besuchererlebnis
Den Besucher erwartet später ein unnachahmliches Regenwalderlebnis: auf einem vielfältigen System von Wegen, teilweise mit Unterwassereinblicken, teilweise in den Baumwipfeln auf einem Hängebrückenpfad, betritt er die geheimnisvolle Welt des tropischen Urwaldes und entdeckt auf seiner Expedition immer wieder neue Tierarten. Fährt er aber mit einem der gezogenen Boote über den Urwaldfluß, dann geht es zuerst in eine dunkle Höhle, wo ihn ein multimediales Erlebnis erwartet: er kann die Urzeit des Gondwanalandes nacherleben, bis zu dessen Teilung in die heutigen Kontinente. Aus der Zeit der Dinosaurier geht es dann wieder hinaus in den Regenwald. Vom Boot aus bieten sich völlig andere und überraschende Ausblicke in den Regenwald und auf seine Bewohner. Diese gesamte Thematisierung gilt es auszuarbeiten und in die Halle zu integrieren, damit die biologische Vielfalt und die Schutzwürdigkeit des Regenwaldes allen Besuchern deutlich werden.
Wichtiger Besucherservice
Der Besucher erlebt aber in der Halle noch mehr: eine kontinenttypische Gastronomie mit zahlreichen Aufenthaltsbereichen, ein Gondwanashop mit interessanten Souvenirs und eine thematisch gestaltete Anbindung an den Zoo und die Pfaffendorfer Straße mit Kassen, Foyer, Garderobenbereichen und vielem mehr sind vorgesehen. Außerdem entsteht ein separater Eventbereich für private oder Firmenfeiern, Tagungen und Meetings. Alle diese Dinge sind logistisch und thematisch so optimal wie möglich einzuplanen.

Wettbewerbs-Entwurf: So soll der Eingang an der Pfaffendorefer Straße aussehen
(Illustration: Henchion-Reuter Architekten mit vize)
Aufwendige Tierhaltung
Gondwanaland soll die erste Tropenhalle sein, in der man zahlreiche große und kleine Tierarten gut beobachten kann. Dies kann nur möglich sein, wenn - für den Besucher unsichtbar - zahlreiche einzelne Gehege untergliedert werden können. In manchen werden mehrere Tierarten vergesellschaftet gehalten, in anderen wird das nicht möglich sein. Immer aber gilt es, die Haltungsbedingungen jeder einzelnen Art genau in die Halle einzupassen. Für viele der Arten, die in Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen geführt werden, gibt es genaue Vorgaben dazu, die zwingend beachtet werden müssen. Die Zoologen versuchen nun, das Optimum für alle Arten herauszuholen. Manche der großen Tierarten benötigen darüberhinaus auch Freianlagen außerhalb der Halle, die entsprechend zugänglich sein müssen. Schwierig wird die Verteilung der Arten in der Halle auch deshalb, weil die Tiere in die drei Kontinentbereiche Asien, Afrika und Südamerika aufgegliedert werden sollen, so dass der Besucher den Zusammenhang zwischen dem einstigen Superkontinent Gondwana und den heutigen Kontinenten erkennen kann.
Komplexe Technik
Man kann sich vorstellen, dass eine Tropenhalle in unseren Breitengraden eine große Herausforderung darstellt: das ganze Jahr über soll eine in etwa gleiche Temperatur und Luftfeuchtigkeit herrschen, damit Pflanzen und Tiere keinen Schaden nehmen. Dies bedeutet, im Sommer evtl. durch Lufttausch zu kühlen und im Winter zu heizen, was bei einer 16.500 qm großen Halle entsprechend große technische Aggregate voraussetzt. Der Einsatz von modernster energiesparender Technik in Kombination mit regenerativer Energiegewinnung (Wärmerückgewinnung) ist Bestandteil der hochkomplexen Haustechnik.
Die Anlagenteile müssen zudem für den Besucher unsichtbar sein und optimal miteinander zusammenspielen.

Wettbewerbs-Entwurf: Blick in die Halle mit Urwalddorf und Tierhaltung
(Illustration: Henchion-Reuter Architekten mit vize)
Regenwaldgestaltung
Wie bringt man einen echten Regenwald nach Leipzig? Dies stellt die Planer vor einige Schwierigkeiten, denn es müssen langfristig vorher zahlreiche Groß-, Mittel- und Kleinbäume ausgesucht und vorbestellt werden. Nur wenige Spezialgärtnereien im europäischen Ausland bieten diese besonderen Pflanzen überhaupt an. Die Bäume müssen sodann an die Klimaumstellung gewöhnt werden und sollen möglichst keine Schädlinge mit in die Halle bringen. Bei der Pflanzenauswahl sind natürlich deren Ansprüche an Boden und Umgebung, z.B. Lichteinfall, zu beachten. Und im Zusammenspiel des Ganzen soll am Ende ein perfekter Regenwaldeindruck entstehen. Schon im Vorhinein ist zu überlegen, wie die Bäume später gedüngt, geschnitten und anderweitig versorgt werden sollen, denn dies spielt bei der Planung der Hallentechnik eine wichtige Rolle. Z.B. sind Standorte für Kräne vorzusehen, mit denen die Gärtner künftig in die Wipfel gelangen können, um dort zu arbeiten.
Energiesparende Technik und Ressourcenschutz
Dem Zoo ist bewußt, dass eine Tropenhalle, auch wenn sie für den Schutz der Regenwälder werben soll, selber auch Energie und Ressourcen verbraucht. Daher wurde, schon allein um Bau- und Betriebskosten gering zu halten, das Hauptaugenmerk auf eine ressourcenschonende Konstruktion und umweltfreundliche Technik gelegt. Einige Beispiele dafür sind:
Das Dachtragwerk ist eine filigrane zweigeteilte Stahlkonstruktion. Durch die Kombination eines Primär- und Sekundärtragwerksystems konnten erhebliche Stahlmengen eingespart werden!
Die Dachhaut bildet eine Folienkissenkonstruktion in dreilagiger Ausführung (2 Luftkammern). Die Folienkissen werden mittels Überdruck aufgeblasen und gewährleisten so eine hervorragende Wärmedämmung bei gleichzeitigem maximalen Durchlass von Sonnenlicht.
Bei der Beheizung wird eine Kombination aus Fernwärme und Wärmerückgewinnung (Wärmepumpen versorgen die Halle nachts aus der täglichen solaren Überschusswärme, welche in sog. Erdspeicher „getankt“ wird) genutzt.
Sämtliches Regenwasser des Daches wird gesammelt, aufbereitet und für die Bewässerung der Pflanzen bzw. die Speisung des Flusses genutzt.
Eine computergesteuerte Regeltechnik (sogenannte Gebäudeleittechnik) stimmt alle technischen Bereiche – Heizung, Lüftung, Klimatisierung, Luftbefeuchtung - so aufeinander ab, dass ein optimales Maß an Energieausnutzung erreicht wird.
Dies ist ein kleiner Ausschnitt aus den technischen, optischen, tierhalterischen, gärtnerischen und planerischen Anforderungen, die alle „unter einen Hut“ gebracht werden müssen, um am Ende zu einem optimalen Gesamtergebnis zu kommen und ein neues spannendes Besuchererlebnis entstehen zu lassen. Begleiten Sie den Zoo dabei!

Wettbewerbs-Entwurf: Bootsfahrt durch die Tropenhalle
(Illustration: Henchion-Reuter Architekten mit vize).







