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Über die Schulter geschaut...

Ein Interview mit dem Zooschullehrer Dr. A. Kästner

Wie sind Sie in die Zooschule gekommen? An welcher Einrichtung haben Sie vorher unterrichtet?

Die Zooschule in unserem Zoo wird von Lehrern der Sächsischen Bildungsagentur Leipzig bestritten. D.h. ich bin Lehrer im Sächsischen Schuldienst, mein Tätigkeitsort ist der Zoo Leipzig.Nach Studium und Promotion in Halle zog es mich nach Leipzig. Hier hatte sich über eine Elterninitiative aus der Bürgerbewegung heraus der staatliche Schulversuch Nachbarschaftsschule gegründet. Dort wollte ich mich engagieren und bewarb mich als Diplomlehrer für Biologie und Chemie und wurde eingestellt. Die 15-jährige Tätigkeit in der NaSch und die Entwicklung dieser Schule war meine "Sozialisation" als Pädagoge. Nachdem absehbar wurde, dass meine Vorgängerin hier im Zoo Leipzig aus dem aktiven Schuldienst ausscheiden würde, wurde für die Zooschule ein Nachfolger gesucht, und der bin ich geworden.

Was macht die Zooschule so besonders?

Die Zooschule ist als außerschulischer Lernort überaus wertvoll und durch nichts zu ersetzen. Sie ist die Nahtstelle zwischen elementaren Zooanliegen und Lehrplanvorgaben des Bildungssystems. Der Weltverband wissenschaftlich geleiteter Zoos und Aquarien, nennt, neben Arterhaltung und Forschung, Bildung und Erziehung als wichtigste Aufgabe. Die intensivste Form der Bildung und Erziehung im Zoo ist die Zooschule. Das unmittelbare Tiererlebnis im Zoo bildet dabei das Kernstück. Zooschulunterricht ergänzt, unterstützt, bereichert, konkretisiert, die Schulpraxis und begeistert für den Zoo und die Zooanliegen. Pure Wissensvermittlung im Sinne von Faktenwissen ist dabei vergleichsweise unwichtig. Das Internet bietet zu jeder Zeit und nahezu überall Wissen an. Uns geht es im Zooschulunterricht um das Entdecken, das Erleben und das Verstehen. Kein Vortrag, kein Buch, kein Video bietet diese unmittelbare, vielsinnige, direkte Beobachtung. Das kann nur der Lernort Zoo.

Wie viele Klassen greifen das Angebot auf und verlegen ihren Unterricht in den Zoo?

Bei uns spiegelt sich das gesamte Schülerspektrum. Wir sind ebenso für Grund- und Förderschulen wie für Oberschulen und Gymnasien die Unterrichtspartner im Zoo. Es waren im vorletzten und auch im  vergangen Schuljahr jeweils weit über 10.000 Schülerinnen und Schüler in der Zooschule. Allein 2013/2014 gab es 514 Unterrichtsveranstaltungen hier bei uns. Das entspricht auch der Anzahl an Schulkassen. Die einzelnen Schulformen waren dabei nahezu so vertreten, wie es prozentual Schüler der jeweiligen Schulform in Sachsen gibt.

Gibt es bestimmte Arbeitsblätter, die Sie erarbeiten und den Lehrern zu bestimmten Themen zur Verfügung stellen?

Wir entwickeln in der Zooschule für alle Unterrichtsinhalte und Lerngegenstände Arbeitsblätter, mit denen die Kinder und Jugendlichen ihre Beobachtungen im Zoo bestreiten und passen sie den sich wandelnden Gegebenheiten im Zoo an. Wir müssen mit dem sich rasant entwickelnden Baugeschehen auf dem Weg zum Zoo der Zukunft Schritt halten. Wenn neue Tierarten kommen, andere den Zoo verlassen oder wie bei den Diana- und Eulenkopfmeerkatzen aus dem alten Affenhaus in die Tropenerlebniswelt Gondwanaland umziehen, dann führt das mitunter zu tiefgreifende Veränderungen im Zooschulunterricht. Wir müssen einfach immer schnell regieren können. Da die Nachfrage die Unterrichtsmöglichkeiten der Zooschule übersteigt, stellen wir über die Homepage des Zoos z.B. zum Gondwanaland umfangreiches und erprobtes Material allen Interessierten frei zur Verfügung. Damit können Kolleginnen und Kollegen für ihre Klassen den Besuch im Zoo-Leipzig selbst organisieren und unterrichtlich nutzen. Dazu bieten wir auch entsprechende Lehrerfortbildungen an. Selbstverständlich unterstützen wir Kolleginnen und Kollegen, die sich für ihren Zoobesuch von uns beraten lassen wollen und um entsprechend geeignetes Material bitten.

Wie muss man sich den Unterricht im Zoo vorstellen?

Zooschulunterricht ist weit im Voraus geplanter Unterricht. Abgestimmt auf die sächsischen Lehrpläne bieten wir verschiedenste Unterrichtsthemen, aus denen die Lehrer wählen können. Ein Zooschulbesuch umfasst in der Regel 3 Zeit- also 4 Unterrichtsstunden. Die Klassen kommen in einen der beiden Zooschulräume und lernen nach einer Einführung das Arbeitsmaterial kennen, mit dem sie im Zoo am Tier arbeiten werden. Diese Arbeitsblätter in den Händen der Schüler strukturieren den Erkenntnisgang. Es wird genau beobachtet, verglichen, gezählt, gemessen, zeichnerisch ergänzt usw. - mit anderen Worten: Die Schülerinnen und Schüler kommen in eine forschende Arbeitsweise. Die Sozialformen können dabei variieren. Es kommt Einzel-,Partner- und  Gruppenarbeit vor.  Die abschließende Unterrichtssequenz in der Zooschule wertet die Einzelergebnisse aus und stellt sie in einen größeren Zusammenhang. In der Schule können diese Arbeitsergebnisse aufgegriffen werden. Viele Kolleginnen und Kollegen richten ihre eigenen Stoffverteilungspläne explizit auf den Zooschulunterricht aus.

Was ist Ihre Einschätzung: Sind die Schüler im Unterricht im Zoo intensiver bei der Sache? Wenn ja, warum?

Wer einmal Zooschulunterricht erlebt hat und ihn mit 4 Unterrichtsstunden eines normalen Schultags vergleicht, spürt den deutlichen Unterschied. Wir haben diese Fragestellung sogar durch studentische Arbeiten stichprobenartig untersuchen lassen. Auch diese Ergebnisse sprechen eindeutig für die höhere Schüleraktivität im Zooschulunterricht. Selbstverständlich ist das unmittelbare Tiererlebnis ganz wichtig. Hinzu kommt die beschriebene, quasi forschende Arbeitsweise am besonderen Ort. Außerdem steht ein Zooschullehrer und damit eine fremde Person vor der Klasse. Auch deshalb ist die Aufmerksamkeit erhöht, weil die üblichen und eingeschliffenen Muster zwischen Lehrer und Schüler durchbrochen sind.

Was macht den Schülern im Zoo besonderen Spaß?

Es kommt in der Tat darauf an, den Schülerinnen und Schülern ein emotional positives Zoo-Schul-Erlebnis zu verschaffen. Wir tragen dazu bei, auch künftig kompetente und begeisterte Zoobesucher zu haben. Das beginnt im Grundschulalter z.B. mit dem Erlebnis Elefantenbaden, was tatsächlich immer große Begeisterungsstürme auslöst und führt in den weiterführenden Schulen hin bis zum Erstellen eines Ethogramms  zu einem der Menschenaffen im Pongoland. Freude am Unterricht ist ganz wichtig, sonst ist der Weg zum Lernen verstellt. Die Erinnerung an den Zooschulunterricht ist auch die Erinnerung an den Zoo, und die ist unmittelbar an die Grundstimmung gekoppelt.

 

 

Aktuelle Hinweise:

Das Aquarium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Der Safari-Truck ist momentan leider nicht in Betrieb.

Aufgrund von Bauarbeiten am Parkhaus sind die Parkplätze für Menschen mit Behinderung zeitweise nicht verfügbar.

Wir bitten um Verständnis für die Einschränkungen.

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