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Über die Schulter geschaut...

Ein Interview mit Tierpflegerin Martina Molch über Berufsalltag, Herausforderungen und die Arbeit im Gondwana-Tunnel

Schon als Kind stand für Martina Molch fest, dass sie später einmal mit Tieren arbeiten möchte. 1976 hat sie mit der Ausbildung zur Tierpflegerin in Leipzig begonnen und kam nach einem kurzen Abstecher in den Tierpark Chemnitz bald wieder zurück in ihre Lehrstätte. Heute erzählt die stellvertretende Bereichsleiterin von Gondwanaland über die Herausforderungen des Berufs und die Arbeit im Gondwana-Tunnel, die ihr viel Fingerspitzengefühl abverlangt.

Wie sind Sie zum Beruf des Tierpflegers gekommen?

Ich wollte von Kindheit an mit Tieren arbeiten. In den Ferien und in meiner Freizeit war ich regelmäßig im Tierpark Limbach und habe ausgeholfen. Manchmal habe ich dort tagelang mit der Hand säckeweise Möhren geputzt. Das hat mich aber nie gestört, weil ich wusste: es ist wichtig fürs Tier, also muss es gemacht werden. Nach erfolgreichem Schulabschluss habe ich mich in jedem Zoo der DDR beworben, aber nicht alle Zoos und Tierparks bildeten selbst aus. So führte mich mein Weg nach Leipzig. Angestellt war ich beim Tierpark Chemnitz, in den ich nach Ausbildungsende 1978 erst einmal zurückkehrte. Aber mein Herz hing an Leipzig – deshalb bin ich 1984 zurückgekommen und arbeite seitdem hier im Zoo.

Was macht den Beruf auch nach fast 40 Jahren noch so spannend?

In der Tierpflege ist kein Tag wie der andere. Natürlich haben wir unsere routinierten Abläufe. Aber wenn du morgens in den Zoo kommst, weißt du nie, welche Überraschungen dich erwarten. Die Arbeit mit Tieren empfinde ich als eine sehr dankbare Tätigkeit. Mit den Jahren baut jeder Pfleger eine Beziehung zu seinen Pfleglingen auf und wenn sich die Tiere auf dich einlassen, dir vertrauen, dann ist das ein großes Geschenk. Als Tierpfleger muss man immer versuchen, emotional möglichst eine gute Balance für sich selbst zu finden. Tiere werden geboren, andere abgegeben, Tiere sterben. Mit den Jahren lernt man aber besondere Momente zu schätzen, daraus Erfahrungen zu ziehen und dennoch die nötige Distanz zu wahren.

Wie sieht denn ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Jeden Morgen um sieben Uhr treffen sich alle Gondwanaland-Tierpfleger im Pausenraum, wir besprechen den Tag und gehen besondere Termine durch. Danach geht jeder an seinen Arbeitsplatz. Ich bin für die nachtaktiven Tiere wie Tüpfelbeutelmarder (Quolls), Kowaris und Zwergplumploris im Vulkanstollen sowie für die Blattscheiderameisen, Zweifingerfaultiere, Zwergseidenäffchen und Dikdids verantwortlich. Die Tiere im Tunnel schlafen morgens noch, wenn ich ihre Gehege reinige. Pünktlich um 9.15 Uhr muss ich mit der Reinigung fertig sein, denn dann erlischt in den Anlagen das Licht und die Tiere erwachen aus ihrem Schlaf. Gegen Mittag ist im Stollen Hauptfütterungszeit. Da die Tiere Vertrauen zu mir haben, zeigen sie sich und ich kann überprüfen, ob alles in Ordnung ist. Ich möchte jedes Individuum einmal am Tag gesehen haben. Neben den pflegerischen Aufgaben fallen auch regelmäßig Schreibarbeiten an.

Wo waren Sie vor der Eröffnung von Gondwanaland?

Als junger Tierpfleger ist man erst einmal Springer und lernt intensiv den Umgang mit verschiedenen Tierarten und deren Bedürfnisse kennen. Auch ich habe meine ersten Jahre in diversen Bereichen verbracht. Unmittelbar vor Gondwanaland war ich sehr lange für die Wildpferde, Dallschafe, Rehe, Muntjaks , Shetlandponys und den Tierkindergarten zuständig. Dort habe ich bei Wind und Wetter draußen gearbeitet und viel über Huftiere gelernt. Bis heute hängt mein Herz auch an diesen Tieren und ich erfreue mich an deren Entwicklung. Als Gondwanaland gebaut wurde, habe ich mich auf eine Stelle in der dortigen Tierpflege beworben. Ich wollte meine Erfahrungen im Umgang mit Tier und Mensch einbringen und mich reizte das Neue: neue Tierarten, neue Pflanzen und ein neues Team, bei dem alle bei null anfangen. Gondwanaland war eine große Herausforderung. Es gab noch keine Abläufe, keine Strukturen - eine tolle Chance.

Was genau sind die Herausforderungen der Tropenhalle?

Die große Herausforderung bestand darin, in unseren europäischen Breiten eine entsprechende Atmosphäre für die tropischen Tiere und Pflanzen zu schaffen. Fast alle Tierarten, die wir in Gondwanaland halten, waren für uns Neuland. So auch die nachtaktiven Tiere im Vulkanstollen: Sie sind in der Dunkelheit aktiv und schlafen, wenn es hell ist. In der Nacht bekommen unsere Quolls, Kowaris und Zwergplumploris Licht und zum Besuchereinlass wird es im Stollen dunkel. Mitunter braucht der Besucher etwas Geduld um einen Blick auf diese Tiere erhaschen zu können. Ich versuche auch möglichst viel Zeit für die Tierbeobachtung zu nutzen, um mein Feingefühl noch mehr für sie zu schärfen, was bei nachtaktiven Tieren natürlich auch für den Pfleger gar nicht so einfach ist. Zudem ist eine fotografische Dokumentation der Tiere wichtig.

Was sind für Sie besondere Erlebnisse?

Es gibt viele Erlebnisse, die meine Arbeit geprägt und mir gezeigt haben, dass ein sorgsamer, wacher Umgang mit Tieren Vertrauen auf beiden Seiten schafft. Eine Rehgeburt in Zoohaltung ist beispielsweise etwas ganz besonders. Im natürlichen Lebensraum mag das alltäglich sein, aber wenn ein scheues Tier wie das Reh in Zoohaltung Nachwuchs bekommt, dann ist das eine tolle Bestätigung für die eigene Arbeit. Umso ergreifender sind diese Momente, in denen Muttertiere dem Pfleger Anteil an ihrem Familienleben gewähren. Ähnlich ging es mir bei den Quolls. Sie haben generell nur eine Lebenserwartung von sieben Jahren, sind dafür bereits mit einem Jahr fortpflanzungsfähig. Doch damit dieses Tier sich fortpflanzt, muss es sich auch wohlfühlen und den neuen Lebensraum annehmen. Umso überwältigender war es für mich, als wir bereits 2011 im Beutel eines Quollweibchens sechs Jungtiere vorfanden. Es war gleichzeitig die Erstzucht in Europa! Alle von mir betreuten Tierarten haben sich bisher erfolgreich fortgepflanzt. Das ist mein schönster Lohn für die tägliche Arbeit hier. Nur bei den jungen Zweifingerfaultieren warten wir noch darauf.

Aktuelle Hinweise:

Das Aquarium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Der Safari-Truck ist momentan leider nicht in Betrieb.

Aufgrund von Bauarbeiten am Parkhaus sind die Parkplätze für Menschen mit Behinderung zeitweise nicht verfügbar.

Wir bitten um Verständnis für die Einschränkungen.

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