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Symbiosen im Aquarium: Außergewöhnliche Lebensgemeinschaften

Unterschiedliche Symbiosen machen ein Leben auf unseren Planeten erst möglich. Viele von ihnen sind noch nicht erkannt oder werden gerade erst erforscht. Doch diejenigen, welche sich uns schon erschlossen haben, lassen erahnen, wie wichtig sie für uns sind. Auch im Aquarium des Zoo Leipzig gibt es Symbiosen, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind, aber eine außerordentlich wichtige Grundlage für das Leben in einem Aquarium schaffen.

Unter einer Symbiose versteht man das Zusammenleben zweier unterschiedlicher Arten, die beide einen Nutzen aus dieser Lebensgemeinschaft ziehen. Weltweit wichtige Symbiosen sind zum Beispiel das Bestäuben von Blütenpflanzen durch Insekten oder das Zusammenleben vieler Bäume mit mit einem oder mehreren Pilzen, sogenannten Mykorhiza- Pilzen. Nicht nur in der Pflanzen- und Tierwelt, auch im menschlichen Körper spielen Symbiosen eine lebenswichtige Rolle. Als Beispiel kann man Darmbakterien heranziehen, die aus der Nahrung essentielle Bestandteile entziehen und sie dem menschlichen Organismus wieder zuführen. Im Wasser sind ebenfalls viele wichtige Symbiosen bekannt. Durch das Zusammenleben von symbiontischen Algen mit Steinkorallen kann ein gigantisches Korallenriff entstehen, wie man es in Australien am Großen Barriereriff sehen kann. Würmer in der Tiefsee gehen mit einem Bakterium eine Symbiose ein: Die Mikroorgansimen dürfen in den Röhrenwürmern leben. Im Gegenzug bezieht der Röhrenwurm seine Nährstoffe vom Bakterium.

In der Welt der Fische gäbe es vermutlich durch das Fehlen von Symbiosen viele ausrottende Krankheiten. Da ein Schauaquarium wie im Gründer-Garten im Zoo Leipzig viele unterschiedliche Arten von Fischen hält, können dort auch interessante Lebensgemeinschaften beobachtet werden. So kann man in einigen Meeresaquarien wie z.B. im Ringbecken mit 120 m³ Wasserinhalt große Schwarzspitzenriffhaie, Muränen und Zackenbarsche beobachten, wie sie sich von kleinen Putzerfischen zwischen den Kiemenspalten oder im Maul zwischen den Zähnen putzen lassen. Die Putzerfische genießen jeglichen Schutz des „Geputzten“ und kommen so selber an ihre Nahrung.

Allerdings kann eine zu intensive Säuberung auch zum Stressfaktor werden, so wie wir es bei einem unserer Igelfische im Panoramabecken beobachten konnten. Frisch in das Becken eingesetzt, wurde der Igelfisch tagelang von zwei Putzerfischen bedrängt, so dass er schließlich in eine enge Steinhöhle flüchtete und erst nach Tagen wieder Nahrung zu sich nahm. Heute sieht man ihn offen im Panoramabecken schwimmen, pünktlich zur Fütterungszeit an der richtigen Stelle wartend, versucht er an jeden Bissen zuerst ranzukommen. Im Zeitraum, in dem er durch den Stress der Putzerfische wenig Nahrung zu sich nahm, wurde er von den Pflegern mit einem langen Rohr, in dem die Nahrung direkt in seine Höhle gleiten konnte, gefüttert. Die Putzerfische sind mittlerweile nur noch gelegentlich an seiner Seite.

Der wohl bekannteste Fisch seit seiner Prämiere im Jahre 2003 ist „Nemo“. Er lebt als Clownfisch in Symbiose mit einer Anemone und hat deshalb den Namen Orange-Ringel-Anemonenfisch erhalten. Er putzt die Anemone und bei erbeuteter Nahrung fällt für die Anemone auch mal etwas ab. Im Gegenzug bietet die Anemone dem Clownfisch Schutz vor Fressfeinden, da ihre Tentakel lang und klebrig sind, außerdem schafft sie ein sicheres Zuhause für die Kinderstube der Fische. Einmal angelockt, legt das Weibchen seine Eier im Schutz der Anemone, wohingegen der „Vater“ mit seinen Spermazellen die Eier befruchtet. Nach sieben bis zehn Tagen sieht man durch 200–300 Eihüllen die Augen der Amphiprion-Larven funkeln. Genau wie zuvor die Eier werden nun die Larven von den Elterntieren geputzt und beschützt, bis sie schließlich in die planktonische Phase übergehen und somit dem Schutz der Anemone und dem der Eltern entrinnen. Interessant ist, dass im Gegensatz zu anderen Fischen die Anemonenfische keinerlei Verletzungen durch die Anemone erleiden. Dies kommt durch eine besonders dicke Schleimschicht der Fische, die sie vor Vernesselung der Anemone schützt.

Nur zwei Becken weiter, im Symbiose-/Steinkorallenbecken, kann man eine bemerkenswerte Beobachtung machen. Hier schaufelt ein Hübscher Knallkrebs ständig Kies aus seiner Höhle. Begleitet und immer in Kontakt lebt er mit einer Lanzen-Symbiosegrundel. Diese übernimmt in der Symbiose den sehenden Teil. Damit ist sie im Vorteil beim Nahrungsfang und wenn Gefahr in Anmarsch ist. Schutz sucht die Grundel in einer Höhle die der Krebs ausgegraben hat und ständig „pflegt“. Dafür fällt natürlich auch etwas von der Nahrung für den Krebs ab.

Wenn ein Einsiedlerkrebs mit seinem empfindlichen Hinterteil Schutz in einer Muschel sucht, packt er sich meist noch eine Anemone auf den „Kopf“. Da Anemonen im Großen und Ganzen sessil leben, das bedeutet, sie leben nur an einer Stelle, kommen sie durch die Laufaktivität des Krebses an ganz andere Nahrungsquellen. Da Anemonen nesseln, bieten sie dem Krebs wiederum Schutz vor Fressfeinden wie Drückerfischen oder Muränen. Diese interessante Symbiose ist im Aquarium bei den Mittelmeer-Seenadeln zu beobachten.

Und dann  gibt es Lebensbeziehungen bei Tieren, bei denen man nicht sicher ist, ob es eine Symbiose oder einen Parasitismus darstellt. Als Beispiel für eine Symbiose galt lange Zeit das Zusammenleben von großen Meeressäugern wie Walen mit den Schiffshalterfischen. Der Wal wird seine Parasiten durch den Fisch los und der Fisch hat neben seinem Schutz eine Transportmöglichkeit und Nahrung. Der Schiffshalter schädigt jedoch auf Dauer die Schleimhäute der Meeressäuger, hat aber durch die Schädigung keinen direkten Nutzen. Nicht immer ist eine Symbiose also so leicht zu erkennen, wie es bei den Putzerfischen mit Ihren „Putzerstationen“  in Form von größeren Fischen der Fall ist.

Aktuelle Hinweise:

Das Aquarium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Der Safari-Truck ist momentan leider nicht in Betrieb.

Aufgrund von Bauarbeiten am Parkhaus sind die Parkplätze für Menschen mit Behinderung zeitweise nicht verfügbar.

Wir bitten um Verständnis für die Einschränkungen.

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