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Horsts Zoogeflüster: Lebendes Fossil in Puddingform

Liebe Leser,

auf der Suche nach einem neuen Thema für meine Kolumne bin ich diesmal im Tunnel von Gondwanaland umherflaniert und auf einen tierischen Bewohner gestoßen, der mich vom Erscheinungsbild an eine Schokoladenpuddingform erinnerte. Fragen Sie mich bitte nicht, wie ich darauf kam, auch meine drei Lehrlinge, Flax, Krümel und Sancho verzogen das Gesicht bei diesem Vergleich. Vergleiche hinken ja meistens, und vielleicht schauen Sie einfach selbst mal vorbei bei uns im Zoo Leipzig und verschaffen sich selbst einen Eindruck von den Großen Molukkenkrebsen, um die es heute geht. Zusammen mit einigen für mich nicht zählbaren Schlammspringern und Putzerfischen bewohnt dieser Krebs, der eigentlich gar kein Krebs ist, sondern zu den Spinnentieren gehört, eines der ersten Aquarien im Tunnel. Die Molukkenkrebse werden auch als Pfeilschwanzkrebse bezeichnet, der Name ist Ihnen vielleicht geläufiger. Ich habe mir sagen lassen, dass diese Krebse in jedem Biologieunterricht herhalten müssen, wenn es um lebende Fossilien geht. Entwicklungstechnisch haben sich diese Tiere seit Millionen von Jahren nicht verändert, so auch der Große Molukkenkrebs oder unsere Tapire, die ebenfalls ein gutes Beispiel sind. Zur Klasse der Schwertschwänze gehörend kommt der Große Molukkenkrebs, der übrigens bis zu 50 Zentimeter groß werden kann, in der Bucht von Bengalen bis nach Nordaustralien vor. Die Größe ist schon recht beeindruckend, wenn er über den Grund schwimmend nach Muscheln, Kleinkrebsen und Würmern sucht, die zu seinem Nahrungsspektrum zählen. Bei uns können Sie insgesamt zehn Tiere beobachten, neun erwachsene Krebse und einen kleinen Jungkrebs. Neben meiner Beschreibung des Äußeren dieser Molukkenkrebse als Puddingform gibt es natürlich noch fachlich fundiertere: In der Fachliteratur wird der Körperbau als hufeisenförmig beschrieben, der für Spinnentiere typisch in Vorder- und Hinterleib zweigeteilt und jeweils mit einer starren Platte versehen ist. Als Sancho hörte, dass es sich um Spinnentiere handelt, hob er angewidert seine Schnauze und verweigerte das weitere Verbleiben vor Ort. Die anderen beiden taten es ihm gleich, und so stand ich allein gelassen vor dem Becken und musste wieder einmal die Arbeit der Recherche selbst erledigen. Jedenfalls sind Vorder- und Hinterleib sozusagen mit einem Scharnier verbunden, weshalb ihre Fortbewegung schon etwas merkwürdig aussieht. Unter diesen zwei Leibern befinden sich viele Beine, einige davon mit Scheren ausgestattet. Wie viele es tatsächlich sind, kann ich Ihnen leider nicht sagen, da habe ich schlicht den Überblick verloren. Am Ende steuert noch ein langer Schwanzstachel das Laufgeschehen. Natürlich habe ich mich auch mit der Fortpflanzung dieser Krebse beschäftigt und Erstaunliches entdeckt: Das Männchen macht es sich oftmals wochenlang auf dem Rücken des ausgewählten Weibchens gemütlich und lässt sich herumtragen. Hat man so etwas schon mal erlebt? Und dazu in der heutigen Zeit! Die Eiablage, eine Menge zwischen 200 und 1000 Eiern, erfolgt schließlich im Verborgenen in Sandgruben, bevor sie von den Männchen befruchtet werden. Es gibt schon merkwürdige Dinge bei uns im Tierreich, und ich erfreue mich stets aufs Neue, diese aufzudecken. Auch wenn es nur faule Krebsmännchen sind, die sich herumtragen lassen und sogar nur vermeintliche Krebse sind, weil sie eigentlich zu den Spinnentieren gehören. Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Ihr Horst

Aktuelle Hinweise:

Das Aquarium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Der Safari-Truck ist momentan leider nicht in Betrieb.

Aufgrund von Bauarbeiten am Parkhaus sind die Parkplätze für Menschen mit Behinderung zeitweise nicht verfügbar.

Wir bitten um Verständnis für die Einschränkungen.

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