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Horsts Zoogeflüster: Ein Urgestein des Zoos

Liebe Leser,

ich muss gestehen, auch ein Lama taucht gelegentlich in die menschliche Fantasiewelt ein und vergnügt sich mit der Lektüre von alten Geschichten und sagenhaften Erzählungen. Fantastische Geschöpfe, wie die uralte Morla in einem berühmten Roman, lassen meine Gedanken um Einsamkeit, Traurigkeit oder das Nichts kreisen, um dann beruhigt festzustellen, dass ich nicht im Sumpf der Traurigkeit lebe, sondern zusammen mit meinen Lamakumpels eine Hacienda im Leipziger Südamerika bewohne und tagtäglich von Zoofreunden besucht werde. Unsere Geierschildkröte ist ihrer bereits erwähnten Artgenossin in mancherlei Hinsicht nicht unähnlich, denn auch sie ist ein Urgestein, das seit mehr als 50 Jahren im Zoo Leipzig lebt und dadurch per se eine gewisse Lebenserfahrung in die Waagschale werfen kann. Wann immer es mich nach alten und bizarren Geschichten aus der langen Zoozeit verlangt, ist sie für mich der ideale Ansprechpartner und ein Fundus für Begebenheiten ohnegleichen. Ihr Zuhause ist das Terrarium, welches übrigens nach wie vor geöffnet ist, trotz der Umbauten am Aquarium. Gleich wenn Sie, liebe Leser, ins Terrarium eintreten, finden Sie zu Ihrer Rechten unsere „Leipziger Morla“, die allerdings genaugenommen ein Mann ist. Es sei Ihnen geraten, dass für jede Annäherung unbedingt der nötige Abstand einzuhalten ist, denn unsere Geierschildkröte zählt zur Familie der Schnappschildkröten, und es kann für jeden unerlaubten Eindringling mehr als unangenehm werden, wenn sie, wie der Name es bereits verrät, tatsächlich zuschnappt. Die räuberischen Tiere, die im Südosten der USA vorkommen, sind zudem Lauerjäger, die auf ihre Beute warten, was mich zu einem weiteren Merkmal führt: Geierschildkröten sind Bewegungsmuffel, die bevorzugt auf schlammigen und weichen Boden ausharren, bis der Fisch oder der Frosch, angelockt von den Bewegungen ihres wurmförmigen Zungenansatzes, angeschwommen kommt und sie zuschnappen können. Auf mich wirkt dieser kleine fleischige Stummel mehr als abstoßend, und ich bitte stets aufs Neue bei meinen Besuchen darum, dass unsere Geierschildkröte ihr Maul nicht allzu sehr öffnet. Darauf reagiert sie betont säuerlich, man könnte beinahe sagen, sie ist regelrecht eingeschnappt. Wie kann ich es auch wagen, Kritik am Urgestein des Zoos zu üben? In diesen Momenten bin ich froh, außerhalb des Terrariums zu sein. Mit Engelszungen muss ich dann auf sie einreden und ihre Bedeutung als ältestes Zootier hervorheben, um das Gespräch fortführen und ihr ein neues Geheimnis oder eine Anekdote über einen Pfleger entlocken zu können. Ist es geglückt, wird der massige Kopf, der nebenbei gesagt nicht unter den Panzer eingezogen werden kann, in meine Richtung geschoben und darauf losgeplaudert, als ob nichts gewesen wäre. Und der flache Rückenpanzer, der von einem schnöden Algenteppich geschmückt ist, hebt sich dabei sanft auf und ab – für mich eine Beruhigungstherapie. Wie lange ich den Geschichten noch lauschen kann, ist offen, denn über das tatsächliche Alter unserer Geierschildkröte ist nichts bekannt. Dokumentiert ist nur ihre Ankunft im Zoo im Jahr 1968. In der Fachliteratur wird das Höchstalter mit 70 Jahren angegeben. Das lässt mich doch hoffen, noch viele „Märchenstunden“ mit unserer Morla erleben zu dürfen. Ihr Horst.

Aktuelle Hinweise:

Das Aquarium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Der Safari-Truck ist momentan leider nicht in Betrieb.

Aufgrund von Bauarbeiten am Parkhaus sind die Parkplätze für Menschen mit Behinderung zeitweise nicht verfügbar.

Wir bitten um Verständnis für die Einschränkungen.

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