Alle Neuigkeiten

Horsts Zoogeflüster: Ein singender Primat

Liebe Leser,

man kennt Heldentenöre oder Koloratursopranistinnen, aber es gibt auch die „Singstimme“ der Gibbons, die aus meiner Sicht in keine Schublade passt, weil sie von einem ganz außergewöhnlichen und speziellen Charakter ist. Auch in meinem Zoo Leipzig konnte ich diesem wunderbaren Gesang vor einigen Jahren noch lauschen. Unsere Gibbondame Minni vermochte es, mit ihrem einzigartigen Singsang einem hartgesottenen Profilama, wie ich es bin, die Sprache zu verschlagen. Meine Ohren kribbelten förmlich, wenn die von ihr geschmetterten Töne am Morgen vom Wind zu mir getragen wurden. Im Allgemeinen markieren Gibbons mit ihrem Gesang ihr Territorium, so auch Minni, die sich damals zusammen mit den Orang-Utans den Außenbereich der Menschenaffenanlage Pongoland teilte. Im Verbreitungsgebiet der 20 Gibbonarten, das sich über ganz Südostasien erstreckt, sind täglich kurz vor Sonnenaufgang wahre Arien zu hören, insbesondere von den Männchen, die den Weibchen und auch den Konkurrenten damit ihren Aufenthalt verkünden. Aber auch die Pärchen schmettern Gesänge im Duett in den Tag hinein, die zuweilen noch durch den Nachwuchs angereichert werden. Nur „alleinstehende“ Weibchen halten sich vornehm zurück und überlassen dem potentiellen Partner den Singsang, den man bis zu einem Kilometer weit hören kann. Leider sind die musikalischen Einlagen in der Wildbahn immer weniger vernehmbar, da die Bestandszahlen der jeweiligen Arten durch die Zerstörung des Lebensraumes, die Verwendung der Tiere in der Traditionellen Chinesischen Medizin und durch die Haltung als Haustier dramatisch gesunken sind, wie ich las. Um auf die missliche Lage dieser Primaten aufmerksam zu machen, wurde der Gibbon in diesem Jahr von der Zoologischen Gesellschaft für Arten und Populationsschutz zum Tier des Jahres ernannt, und natürlich muss ich Ihnen davon berichten. Die Gibbons zählen ebenso wie die Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen und Bonobos zu den Menschenaffen, werden allerdings aufgrund ihrer Größe als kleine Menschenaffen bezeichnet. Übrigens sind Sie zu 95,4 Prozent mit diesen einzigen echten Schwinghanglern, die nur mit einem Arm ihr gesamtes Körpergewicht halten, verwandt. Das nenne ich doch mal eine nette Verwandtschaft, die zudem mit Sprungweiten von bis zu 10 Metern hervorsticht und Ihnen in dieser Disziplin etwas voraus hat. Wie ich recherchierte, liegt der letzte Weltrekord im Weitsprung schon 28 Jahre zurück und wurde mit 8,95 Metern in Tokio aufgestellt. Wenn das kein Ansporn ist. Die entweder in Beige oder Schwarz daher schwingenden Primaten sind aber nicht nur Springweltmeister, sondern überzeugen ebenso in der Kletterdisziplin. Man könnte sagen, die Gibbons vereinen gleich drei Besonderheiten: Sie klettern sehr gut, ihre Sprungweiten sind rekordverdächtig und das Gesangsvermögen steht auch dem eines versierten Opernsängers in nichts nach – na, das ist nun vielleicht etwas überzogen, aber manchmal muss man sich der Übertreibung bedienen. Die jungen männlichen Gibbons jedenfalls beginnen den Sologesang mit ihrer Geschlechtsreife und  versuchen damit,  die potentielle Partnerin anzulocken. Wenn diese vom Gesang betört ist und mit ihm in ein Duett einstimmt, kann man gewiss sein, dass der Nachwuchs nicht mehr lange auf sich warten lässt und irgendwann die gesamte Familie ihr Erkennungsliedchen zum Besten gibt.

Ihr Horst

 

Aktuelle Hinweise:

Das Aquarium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Der Safari-Truck ist momentan leider nicht in Betrieb.

Aufgrund von Bauarbeiten am Parkhaus sind die Parkplätze für Menschen mit Behinderung zeitweise nicht verfügbar.

Wir bitten um Verständnis für die Einschränkungen.

Newsletter

Meine Daten

Abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter mit Neuigkeiten, Veranstaltungstipps und Gewinnspielen aus dem Zoo Leipzig.
*Pflichtfeld

Entdecken Sie auch ...

Teaser Fabeltiere

Phänomenale Fabeltiere

Mitmachaktion mit Gewinnspiel zum 50. Geburtstag der Zooschule.

weitere Infos