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Ein Leben mit zwei Familien

Frank Schellhardt, Bereichsleiter von Pongoland, lebte 28 Jahre mit zwei Familien zusammen und versuchte stets, beiden gerecht zu werden. Nach 44 Jahren im Dienste der Menschenaffen ist es Zeit ein Resümee zu ziehen. Zusammen mit 12 Tierpflegern betreut er täglich 48 Menschenaffen in der weltweit einzigartigen Leipziger Menschenaffenanlage.

An seinen ersten Tag bei den Menschenaffen kann sich Frank Schellhardt noch gut erinnern: Er stand inmitten des Pflegerganges, als die drei Orang-Utans Solok, Bintulu  und Moro routinemäßig in selbigen eingelassen wurden. Zu dieser Zeit hielten die Tierpfleger noch direkten Kontakt zu den Affen. Schellhardt verhielt sich ruhig und wartete ab. Es waren die Orangs, die den ersten Schritt wagten und den „Neuankömmling“ in ihrer Gruppe mit dem Berühren seiner Hand begrüßten. Das war ein magischer Moment, der seinen weiteren Weg entscheidend bestimmen sollte. Inzwischen sind mehr als vier Jahrzehnte vergangen, ein Zeitraum,  in dem sich vieles verändert hat. Insgesamt 28 Jahre gehörte Frank Schellhardt sozusagen zum Affenclan, der sich als zweite Familie in seinem Alltag ganz selbstverständlich etabliert hatte: Täglich verbrachte er geraume Zeit im Gehege und erlebte einzigartige Augenblicke, die seinem Beruf einen ganz besonderen Wert gaben. Der direkte Umgang mit den Affen wird indes längst nicht mehr gepflegt, denn die Haltungsansprüche haben sich im Verlauf der Jahre geändert. Die Erkenntnisse aus den Freilandforschungen und den langjährigen Erfahrungen in den zoologischen Einrichtungen selbst führten schließlich zu einem Umdenken. Geflieste Käfige wichen großzügigen, naturnah gestalteten Gehegen. Waren die Anfänge in der Haltung noch von einer hohen Jungtiersterblichkeit infolge bakterieller Infektionen gekennzeichnet, können sich modern geführte Zoos inzwischen über regelmäßigen Nachwuchs freuen.

Das erste Jungtier, das in Leipzig groß wurde, ist das heute 27 Jahre alte Orang-Utan-Weibchen Pini. Unmittelbar nach der Geburt litten Pini und ihre Mutter Dunja u.a. an einem Zwergfadenwürmerbefall. Um nicht wiederholt ein Affenjunges zu verlieren, entschieden sich die Tierärzte ein neues Medikament einzusetzen, und das mit Erfolg. Pini musste infolge der Therapie anderthalb Monate lang intensiv von den Pflegern versorgt werden, mehrmals täglich erhielt sie eine extra Portion Flüssigkeit von Frank Schellhardt, der sich in dieser Zeit keinen freien Tag nahm. Die großen Anstrengungen aller wurden dafür belohnt. Pini lebt noch heute in Leipzig und schenkte dem Zoo bereits mit Padana, Batak und Raja mehrfachen Nachwuchs. Mit Pini verbindet Frank Schellhardt aber noch etwas anderes, nämlich ganz persönliche und verbindende Erlebnisse bei ihrer ersten Geburt im Jahr 1997. Auch hier mussten Schellhardt und seine Kollegen Pini als Erstgebärende helfen und die Rolle der Hebamme übernehmen. Sie zeigten ihr, wie das Jungtier an die Brust angelegt und es am Bauch gehalten wird. Sie lernte schnell, und die kleine Padana entwickelte sich in Folge bestens und brachte im Jahr 2009 selbst ein Junges zur Welt. Für Schellhardt ist es der schönste Vertrauensbeweis, wenn das Affenweibchen nach der Geburt dem Pfleger sofort das Baby zeigt und im Fall von Pini anfassen lässt. Ein solcher Moment bedeutet weit mehr als den Erhalt des Lohns für die geleistete Arbeit. Diesen vertrauensvollen Umgang hatte er ebenso mit Orang-Utan-Weibchen Dunja, die 1976 im Alter von drei Jahren nach Leipzig kam. Sie war für ihn wie ein eigenes Kind. Er trug sie ganz selbstverständlich - wie die anderen Affenbabys auch – umher, ging mit ihr spazieren und besuchte bei schönem Wetter den Lieblingskletterbaum der Affen, der noch heute auf der Schimpansenaussenanlage von Pongoland steht.

Die Umstellung nach 28 Jahren engen Umganges mit den Affen war auch für Schellhardt kein leichtes Unterfangen, wie er nicht unberührt gesteht. Mit der Fertigstellung von Pongoland im Jahr 2001 übernahm er die Bereichsleiterfunktion. Schnell musste er feststellen, dass er nur einen Job gewissenhaft ausführen kann. Der Spagat zwischen der Tätigkeit als Pfleger der Menschenaffen und dem Verantwortlichen für eine Vielzahl administrativer Aufgaben und für die enge Abstimmung mit den Forschern des Max-Planck-Instituts war zu groß. Er wechselte konsequenterweise komplett die Seite. Zu den Affen hat er dennoch Kontakt, vor allem zum Orang-Utan-Männchen Bimbo. Kommt Frank Schellhardt an der Innenanlage vorbei, darf er es nicht versäumen, Bimbo zu begrüßen. Er fordert dieses Begrüßungsritual regelrecht ein und kommt mit viel Getöse zur Scheibe geschwungen, um sich seinen Augenblick der Männerfreundschaft zu sichern. Überhaupt zeigen Menschenaffen sehr deutlich, wem ihre Sympathien gelten und wann sie schlechte Laune haben. Dann bleiben sie gern mal in der äußersten Ecke des Geheges sitzen und lassen sich bitten. „Kein Tag gleicht dem anderen, doch die Besonderheit der Menschenaffen wird dir immer wieder aufs Neue vor Augen geführt. Ich empfinde es als ein großes Glück, eine so außergewöhnliche Aufgabe erfüllen und in solcher Nähe mit Menschenaffen arbeiten zu dürfen“, resümiert Frank Schellhardt nach 44 Dienstjahren. 

Aktuelle Hinweise:

Das Aquarium ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Der Safari-Truck ist momentan leider nicht in Betrieb.

Aufgrund von Bauarbeiten am Parkhaus sind die Parkplätze für Menschen mit Behinderung zeitweise nicht verfügbar.

Wir bitten um Verständnis für die Einschränkungen.

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