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Neues aus dem Zoo Leipzig

22. Dezember 2016 Horsts Zoogeflüster: Viel Musik im Namen

Liebe Leser,

sicherlich vermuten Sie schon seit längerem, dass ich eine Schwäche für Meeresbewohner entwickelt habe. Sie liegen absolut richtig. Genährt wird diese Vorliebe allerdings durch die Kuratoren selbst, die immer wieder skurrile Meeresbewohner in den Zoo Leipzig holen, weil es ein Frevel wäre, sie links liegen zu lassen. Oder können Sie sich vorstellen, vom Geigenrochen oder Schaufelnasengitarrenfisch, wie er auch genannt wird, nichts zu erfahren? Eben, und deshalb muss ich mich an die Tastatur setzen und Ihnen, liebe Leser, den neuesten Zugang im Aquarium in seiner Einzigartigkeit vorstellen. Auch aus dem Grund, dass viel Musik in seinem Namen liegt und die Körperform einer Gitarre oder Geige ähnelt und damit namensgebend war. Zur nächtlichen Stunde vor ein paar Wochen nahmen Pfleger und Kuratoren eine große Fischlieferung entgegen, die neben dem weiblichen Geigenrochen ferner Schwarzpunktrochen und Seeigel umfasste. Da ich meinen Schönheitsschlaf mittlerweile dringend benötige, war ich nicht dabei, als die Neuankömmlinge in die vorbereiteten Aquarien verbracht wurden. Ich wäre aber nicht Sherlock Horst, wenn ich nicht auf anderen Kanälen die frohe Kunde erfahren hätte. Ich war sofort euphorisch und hörte schon ein Streichquartett aufspielen. Die vermeintliche Musik spielt indes nicht nur im Namen, sondern auch in der besonderen Fortpflanzung und der Wasseraufnahme. Letzeres erfolgt nicht über die Kiemen, wie man vermuten könnte, sondern durch zwei kleine Spritzlöcher unterhalb der Augen. Weil Rochen sich hauptsächlich auf dem Boden aufhalten und sich darin auch eingraben, würden sie über die Kiemen neben dem gewünschten Wasser Sand aufnehmen, was nicht im Sinne des Rochens wäre. Demnach haben sich im Laufe der Evolution die Spritzlöcher entwickelt. Und auch die Fortpflanzung bringt Spannendes hervor: Die Minirochen schlüpfen lebend! Es handelt sich dabei um einen speziellen Fortpflanzungsprozess, den man in der Fachsprache als Ovoviviparie bezeichnet, ein lateinischer Begriff, den ich mir bestimmt nicht merken werde. Oder er bleibt mir gerade wegen der damit verbundenen Besonderheit im Gedächtnis. Jedenfalls bedeutet dieser, dass die Eier schon im Mutterleid ausgebrütet und die Jungen lebend geboren werden. Sachen gibt’s…Und genau deshalb verweile ich so gern im Aquarium, es hat immer eine Überraschung für mich parat. Bei uns wird es noch ein wenig dauern, bis wir züchten und uns über etwa 6 bis 28 Jungrochen freuen können. Zunächst muss sich das Weibchen, das gerade einmal 45 Zentimeter lang ist und vorübergehend im Panoramabecken ein zu Hause gefunden hat, eingewöhnen und wachsen. Mit einer Länge von ungefähr 70 Zentimetern erfolgt dann die Umsetzung ins große Ringbecken. Und erst dann kümmert sich der Kurator um ein Männchen. Die Paarung stellt kein leichtes Unterfangen dar, wie ich erfuhr. Die Bedingungen müssen stimmen, und natürlich muss eine Sympathie zwischen den beiden Auserwählten vorhanden sein. Dann erst wird der zweite Schritt in Angriff genommen. Apropos, der größte Vertreter, ein Riesengeigenrochen, wird bis zu drei Meter lang. Unsere pazifischen Geigenrochen werden zwischen 1,20 und 1,70 groß. Bis dahin wird aber noch ein wenig Zeit vergehen. Dennoch freue ich mich schon sehr auf das nächste Jahr. Ob es wieder so viele Überraschungen für uns bereithält? Ihnen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest! Ihr Horst

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Aktuelle Hinweise:

Zwischen Hacienda Las Casas und Tierkindergarten wird der neue Südamerikabereich gebaut – die Umleitung ist ausgeschildert. Wir bitten um Ihr Verständnis.

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